Sanitärinstallation mit digitalen Systemen kinderleicht sanieren?

Trinkwasserhygiene in Schulen

Schulen, die wegen defekter Toiletten geschlossen werden müssen. Gebühren für die Toilettennutzung. Kinder, die nichts trinken, damit sie nicht aufs WC müssen, und Eltern, die auf die Barrikaden gehen. All das sind Folgen der „Problemzone Schultoilette“. Inzwischen wird reagiert. Gelder werden von Bund und Ländern für die Sanierung und Ausstattung von Schulen zur Verfügung gestellt und damit auch für die Sanierung der Sanitärräume. In Kürze ist es dann wieder so weit: Es sind Sommerferien, die für die Sanierung der Technik im Schulgebäude und in den Sanitärräumen genutzt werden müssen. Daher ist jetzt die richtige Zeit, diese Sanierung zu planen. Wir sagen Ihnen, was Sie beachten müssen.

In einer guten Umgebung lässt es sich auch gut lernen – die Erkenntnis ist nicht neu. Aber bis in den hintersten Winkel vieler Schulgebäude ist sie noch nicht vorgedrungen – denn da befinden sich die Schultoiletten.

Problem erkannt – Problem gebannt?

Die Ursache für die Missstände in den schulischen Sanitärräumen liegt in der Zuständigkeit: Für die Instandhaltung der Schulgebäude sind Städte, Kommunen und Gemeinden verantwortlich. Dort aber klaffen oft große Löcher im Finanzhaushalt. Zudem sind nicht nur die Toiletten marode, häufig stehen auch Reparaturen an der Bausubstanz, Veränderungen aufgrund neuer pädagogischer Konzepte und die Modernisierung in puncto Digitalisierung auf der To-do-Liste. Laut der Förderbank KfW fehlen 32,8 Milliarden Euro für die aktuell notwendigen Maßnahmen.
Inzwischen ist das Thema bei den Zuständigen angekommen, und entsprechende Förderprogramme wurden aufgesetzt, sodass in den nächsten Jahren mit einer erhöhten Tätigkeit im Bereich der Schulsanierung gerechnet werden kann. Doch seit dem Bau vieler Schulgebäude hat sich in Sachen Trinkwasserhygiene einiges getan.

Wo früher das Prinzip „Leitung, Wasserhahn, fertig“ galt, müssen heute komplexe Trinkwasser-Installationen untergebracht werden, die nach gesetzlichen Vorgaben betrieben werden müssen. Ziel ist es, zu verhindern, dass sich im stehenden Leitungswasser gefährliche Bakterien ausbreiten können. Zudem müssen finanzielle, zeitliche und individuelle Anforderungen der Lehrer, Schüler und Eltern berücksichtigt werden. Das stellt die Fachplaner oft vor große Herausforderungen.

Können neue Systeme alte Probleme lösen?

Wir sprachen mit dem Fachplaner Christoph Tiede, Inhaber der Tiede Ingenieur­unternehmung GmbH, über die Herausforderungen, die sich bei Schulsanier­ungs­projekten stellen – und wie man sie lösen kann. Besonders spannend: Das Büro hat bereits einige Projekte mit dem neuen SCHELL Wassermanagement-System SWS realisiert.

Lange schien das Thema Schultoilette keins zu sein. Nun wird reagiert. Wie groß ist der Missstand aus Ihrer Sicht?

Nach unserer Erfahrung ist der Missstand von Schule zu Schule unterschiedlich, wobei es meistens um die Optik geht. Wir kümmern uns um die Trinkwasserhygiene.
Daher betrachten wir nicht nur die Schultoiletten, sondern alle Entnahmestellen im Gebäude.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Produkte aus?

Als Fachplaner gucken wir vor allem auf die sichere Funktionalität über einen sehr langen Zeitraum. Idealerweise wählen wir das sichere und einfache Wassermanagement-System SWS mit selbstspülenden Armaturen.
Denn uns ist auch wichtig, dass der Nutzer sieht: Es wird gespült. Allerdings müssen Sie berücksichtigen, dass wir in der Planung dem Wirtschaftlichkeitsgebot unterliegen.

Wie argumentieren Sie die Kosten für elektronische und eventuell sogar vernetzte Armaturen?

Wir erstellen ein Hygienekonzept, das die Trinkwasserhygiene durch bestimmte Methoden sicherstellt.
(Anmerkung der Redaktion: Mehr zum bestimmungsgemäßen Betrieb und zu den Risiken der Stagnation in Schulen lesen Sie im Interview mit dem SCHELL Hygiene-Experten Dr. Peter Arens auf den folgenden Seiten.)
Ein Konzept, das auf manuell auszulösenden Armaturen basiert, benötigt Spülstationen, die dann auch zum Invest stehen. Zudem sind solche Netze oft unübersichtlich und kompliziert, was höhere Kosten bei der Ausführung verursacht.

Welche Probleme gibt es hier?

Beispielsweise verursachen Vorgaben wie getrennte Trassenlagen für Kalt- und Warmwasser ein Platzproblem, besonders bei der Sanierung. In der Regel bleibt hierbei der Rohbau stehen, die Technik wird komplett erneuert. Für uns heißt das: Wir müssen mit den Planungsideen der 70er-Jahre zurechtkommen, besonders was Schachtgrößen etc. betrifft.

Zum Glück ziehen die Hersteller jetzt nach und bieten entsprechende Lösungen an. Etwas flapsig gesagt, sind wir mit dem vernetzten System von SCHELL wieder da, wo wir vor 30 Jahren schon einmal waren: Ich habe meine Stichleitungen und kann Trinkwassernetze ergänzen. Natürlich muss ich noch ein paar Dinge beachten. Aber auch da hilft das Wassermanagement-System SWS. Es packt das Problem des bestimmungsgemäßen Betriebs an der Wurzel und schafft mit der heutigen Digitaltechnik eine Transparenz, die es so bisher noch nicht gab.

Die in die Jahre gekommene Trinkwasser-Installation der Dreifeld-Sporthalle in Berlin Neukölln hat für heutige Nutzungsanforderungen zu groß dimensionierte Rohrquerschnitte.
Mit dem SCHELL Wassermanagement-System SWS konnte die Installtion gerettet werden: Das synchrone Spülen von ganzen Armaturengruppen erzeugt eine ausreichend hohe Fließgeschwindigkeit, um einen kompletten Wasserwechsel zu erreichen.

Was meinen Sie mit Transparenz?

In einer Schule sind heute 50 oder sogar 100 Zapfstellen eingebaut. Wir haben Waschtische, WCs, Duschen, Putzräume, Teeküchen der Lehrer. Das Wassermanage­ment-System SWS bietet die Möglichkeit, die Nutzung zu dokumentieren. Das hilft uns, die notwendigen Maßnahmen zur Einhaltung der Trinkwasserhygiene individuell anzupassen, und zwar basierend auf Fakten – und nicht nur auf bloßen Vermutungen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Waschtische in den Klassen­räumen, die in Zeiten der Kreidetafel sicher ihre Berechtigung hatten. Auch wenn heute Klassenräume mit digitalen Tafeln ausgestattet werden, möchten die Lehrer gern die Waschtische erhalten. Für uns ist das problematisch, da die Armaturen im Zweifelsfall nicht bestimmungsgemäß genutzt werden und Stagnation verursachen. Mit dem Wassermanage­ment-System SWS können wir diese Armaturen gut ins Netzwerk ein­bauen. Gleichzeitig können wir nachweisen, ob und in welchem Maß diese Entnahmestellen genutzt werden.

Wie relevant ist die Erweiterbarkeit?

Wir realisieren aktuell eine Schulsanierung, die im laufenden Betrieb und in den Ferien etappenweise durchgeführt wird. Ein flexibles und modular aufgebautes System ist da ideal. Ein anderes Szenario, das Flexibilität erfordert, ist ein akuter Handlungsbedarf durch eine verunreinigte Trinkwasser-Installation. In dem Moment, in dem der Betreiber mit der Trinkwasserproblematik konfrontiert wird, hat er wahrscheinlich gar nicht vor, zu sanieren – und dementsprechend kein Geld. Mit dem Wasser­manage­ment-System SWS kann er nun schnell reagieren, indem er die Armaturen austauscht und per WLAN vernetzt. Wenn dann eine geplante umfangreiche Sanierung ansteht, kann das System auf Kabel umgestellt werden. Ich nenne das auch Lego für Haustechniker.

Herr Tiede, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

BLEIBEN SIE NAH DRAN


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