Wenn aus dem altbekannten Hausmeister ein moderner Facility Manager wird

Gebäudeautomation verändert eine Branche

Haben Sie auch noch dieses Bild im Kopf? Der Hausmeister wandert durch die Flure, schließt die Fenster, dreht die Heizung runter und macht das Licht aus – nicht nur in Schulen, auch in Mietshäusern, Krankenhäusern und Heimen. Ein Bild, das man immer seltener sieht, denn das Berufsbild ändert sich. Aus dem Hausmeister wird zunehmend der Facility Manager – ein Begriff, den vor zehn Jahren kaum jemand kannte und der jetzt in aller Munde ist.

Schmunzelnd wird zuweilen vom Diplom-Hausmeister gesprochen, aber es handelt sich um einen Master-Studiengang für Ingenieure. Nach Abschluss können sie mit einem Einstiegsgehalt von 40.000 – 50.000 € rechnen. Dafür sind sie meistens im Anzug unterwegs und meistern sehr komplexe, technikorientierte Aufgaben. Ein spannender, herausfordernder Job, mit wenig Historie aber jeder Menge Zukunft.

Gebäude ManagementGebäude, eine Managementaufgabe

Bei allen baulichen Großprojekten ist Facility Management eine schon vor dem Bau kalkulierte Größe. Das gilt für die Elbphilharmonie genauso wie für die Siemens-Konzernzentrale. Es geht darum Energie zu sparen, die Umwelt zu entlasten, kostenbewusst zu wirtschaften und den Menschen optimale Arbeits- und Erlebnisräume zu bieten. Moderne Digitaltechnik macht das Planen, Steuern, Lenken viel einfacher. Während Top-Unternehmen diese Chancen nutzen, ist die öffentliche Hand oft noch auf dem Stand von vorgestern. Bundesweit sprechen wir von 175.000 kommunalen Liegenschaften, 6.500 Gebäuden in Landesbesitz und 4.500 Immobilien des Bundes mit einem Investitionsstau von über 70 Milliarden Euro – dabei ist die Technik bereits auf einem zukunftsweisenden Stand.

Durch die Digitalisierung können wir Heiz-, Klima- und Sicherheitstechnik, Beleuchtung und andere Gebäudeinstallationen optimal programmieren und schalten. Digital per Laptop oder Smartphone – von jedem Punkt der Welt aus. Dabei wird jeder Heizungsausfall, jeder Einbruchsfall, jede Betriebsunterbrechung sofort in Echtzeit digital gemeldet. Das bedeutet: Das Gebäude arbeitet selbstständig – die automatisierten, autark ablaufenden Prozesse können zusätzlich durch Protokollierung dokumentiert werden. Diese Daten kann der Facility Manager jederzeit erfassen, programmieren, steuern. Und damit sechsstellige Energiekosten sparen. Schöne neue Welt?

Digital in die Zukunft

Die Zukunft kommt. Schon in den nächsten 20 Jahren wird sich Wohnen, Leben, Arbeiten massiv ändern. Die Tiefgarage erkennt den Dienstwagen und öffnet automatisch, der Touchscreen erkennt am Fingerabdruck die Zugangsberechtigung, Atemluftsensoren sorgen für das richtige Klima im Büro, eine Photovoltaikanlage produziert den benötigten Strom, das Wassermanagement-System überwacht die Trinkwasserqualität. Überall stehen alle Medien und Kommunikationsmittel zur Verfügung.

München leuchtet

Wie man für die Zukunft baut, hat im vergangenen Jahr der Siemens-Konzern vorgemacht. Die neue Konzernzentrale im Herzen von München ist ein Musterbeispiel an angewandter Hochtechnologie im Dienste der Umwelt und gleichzeitig ein architektonisches Juwel voller Offenheit, 45.000 Quadratmeter inspirierender Arbeitsraum für etwa 1.200 Mitarbeiter. Grüne Innenhöfe, Café und Restaurant stehen für alle offen und wurden von den begeisterten Münchenern sofort angenommen. Das Gebäude wurde mit dem Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) in Platin ausgezeichnet, der höchsten Zertifizierung für Nachhaltigkeit und es wurde für den MIPIM-Award nominiert, quasi der Oscar der Immobilienbranche. Das sind die Äußerlichkeiten.

Die inneren Werte sieht man nicht. Wie die 70 Kilometer Wasserrohre, durch die pro Stunde 100.000 Liter Wasser gepumpt werden zum klimafreundlichen Kühlen oder Beheizen des Gebäudes. Oder die Photovoltaik-Anlage, die 30% des Stroms liefert. Und die Regenwassernutzungsanlage, die der Toilettenspülung und Bewässerung dient. Die gesamte Steuerung der Gebäudetechnik erfolgt über 30.000 Datenpunkte, die vom Facility Management kontinuierlich gemessen, überwacht und optimiert werden. Das Sparpotenzial ist gewaltig. 90% weniger Strom, 75% weniger Wasser, 90% weniger Emissionen.

Smart public

Smarte Neubauten sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Die höheren Erstellungskosten rechnen sich schnell durch sehr große Einsparungen, gerade bei den Betriebskosten. Das Herzstück ist die Informations- und Kommunikationstechnik, kurz: IKT. Durch diese Vernetzung können alle Elemente wie Heizung, Klima, Beleuchtung, Verschattung und Sicherheitstechnik zentral geschaltet werden. Dieses Gebäudemanagement-System, kurz GMS genannt, regelt die Heizung herunter, schließt bei Bedarf die Fenster, führt Stagnationsspülungen durch. Dies geschieht in der Regel vollautomatisch, kann aber auch durch den zuständigen Facility-Manager manuell von seinem Büro aus erfolgen, egal wie groß die Distanz zum Objekt ist.

Die Zukunft gestalten

Es gibt gute Gründe optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die düsteren Prognosen, die der Club of Rome 1972 in „Die Grenzen des Wachstums“ formuliert hat, sind nicht eingetroffen. Es wurden zahlreiche ganz neue Techniken entwickelt. Von den Milleniumszielen werden einige sicher erreicht und es gibt einen Bewusstseinswandel sondergleichen – ein Umdenken, ein Suchen nach innovativen Lösungen. Hersteller von Gebäudetechnik, Immobilienbetreiber, TGA-Planer und Handwerker sind auf dem Weg in eine saubere Umwelt, eine lebenswerte Umgebung, eine gute Zukunft.

BLEIBEN SIE NAH DRAN


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